Paula und die Kistenkobolde

"Paula und die Kistenkobolde" ist die bekannteste Maßnahme des Programms Papilio-3bis6. Grundlage ist die faszinierende Geschichte um die vier Kobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold, die nicht so recht wissen, was mit ihnen los ist.

Mit Hilfe von Paula lernen die Kistenkobolde ihre Gefühle* kennen - und genau das ist auch das Ziel der Maßnahme in der Kita. Die Kinder erwerben emotionale Kompetenzen: Sie lernen den Umgang mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer.

Vorstellung der Kobolde

Rechts sehen Sie von oben nach unten die Kistenkobolde - in der Reihenfolge, in der sie auch in der Geschichte aus ihrer Kiste auftauchen. Sie stehen für die vier Basisgefühle, die Kinder als erstes lernen:

Bilder der Kistenkobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold untereinander angeordnet.
  • Heulibold
    steht für Traurigkeit und ihm ist immer zum Heulen zumute: Weil ihn sowieso keiner mag.
  • Zornibold
    steht für Ärger/Wut und könnte wegen jeder Kleinigkeit gleich platzen.
  • Bibberbold
    steht für Angst und traut sich überhaupt nichts. Es könnte ja gleich was passieren.
  • Freudibold
    steht für Freude. Ihm geht es immer gut und er kann gar nicht verstehen, dass es jedem auch mal anders gehen kann.

Mit Hilfe dieser Kobolde lernen Kinder, die eigenen Gefühle zu erkennen, zu benennen und an anderen wahrzunehmen - eine der wichtigsten Aufgaben in der Persönlichkeitsentwicklung.

Die wichtigsten Ziele von "Paula und die Kistenkobolde"

Das Kind verhält sich sozial-emotional kompetent. Es kann

  • eigene Gefühle* wahrnehmen, ausdrücken und angemessen regulieren und
  • die Gefühle anderer erkennen, benennen und angemessen damit umgehen.
  • Es hat Verständnis für Gefühle, zeigt Anteilnahme und prosoziales Verhalten.

*Unterscheidung Gefühle / Emotionen

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort "Gefühle" verwendet, "Emotionen" wird als Fremdwort weniger genutzt. In der fachlichen Auseinandersetzung zum Thema müssen die beiden Begriffe aber abgegrenzt werden.

Eine Emotion beschreibt einen komplexen Prozess, der auf verschiedenen psychischen Funktionsebenen abläuft, z.B. ausgelöst durch die Bewertung einer Situation. Damit einher gehen körperliche, psychophysiologische Prozesse, Kognitionen und Bewertungsmuster, das Gefühlserleben und eine daraus resultierende Verhaltensbereitschaft.

Davon zu unterscheiden ist der Begriff Gefühl, der nur das subjektive Erleben der Emotion bezeichnet, z.B. Freude, Traurigkeit, Ärger. Gefühle werden gewöhnlich als verschieden von Wahrnehmungen, Empfindungen und Denken, aber auch vom Wollen, angesehen, können sich jedoch mit allen anderen Erfahrungsweisen verbinden.

Auch wenn man fachlich zwischen Gefühlen und Emotionen unterscheiden muss, wird zur Vereinfachung den Kindern gegenüber von "Gefühlen" gesprochen, auch in Fällen, in denen eigentlich die Emotion gemeint ist.

Ein kleiner Junge hängt ein Foto von sich an die Koboldwand. Die Erzieherin kniet hinter dem Jungen und unterstützt ihn dabei.
Einführung der Maßnahme in die Kita

Die Maßnahme "Paula und die Kistenkobolde" wird in der Kita anhand der gleichnamigen Geschichte mit fünf Einheiten eingeführt. Nach einer einführenden Einheit mit der Rahmengeschichte und Paula widmet sich je eine Einheit Bibberbold (Angst), Zornibold (Ärger), Heulibold (Traurigkeit) und Freudibold (Freude). Für Kitas steht attraktives Bild- und Tonmaterial zur Verfügung (Bilder der Koboldgesichter, Aufnahmen der Koboldstimmen, Lieder wie "Mir geht’s heut’ so …" oder "Mutmachlied").

Die Kinder lernen

  • um welche Emotion es sich handelt und wie sie diese bei sich selbst wahrnehmen können.
  • anhand welcher Merkmale (Mimik, Gestik usw.) sie diese Emotionen auch bei anderen erkennen können.
  • Möglichkeiten, wie sie mit diesen Emotionen umgehen können.

Wichtig ist, dass alle Basisemotionen zunächst wertfrei betrachtet werden und den Kindern deutlich wird, dass Gefühle "gleichberechtigt" sind, dass es also Gründe gibt, z.B. traurig zu sein. Dass man aber wissen muss, was man tun kann, um nicht länger traurig zu sein, als einem lieb ist.

Durch alle vier pädagogischen Einheiten führt das Kindergartenkind Paula. Paula erleichtert den Kindern die Identifikation mit der Geschichte. Die Kinder basteln zudem einen Gruppenkobold, der jede Einheit von Paula und die Kistenkobolde mit einem Ruheritual beginnt. Der Gruppenkobold kann auch andere Elemente im Kita-Alltag begleiten.

Weiteres wichtiges Element, um die Geschichte in der Realität der Kinder zu verankern, ist eine Kiste, in der die Kobolde leben. Paula und die Kinder lernen die Kobolde durch diese Kiste kennen. Die Kiste weckt als spannendes Element die Neugier und das Interesse der Kinder, da sie Realität und Phantasie verbindet. In der Kiste finden die Kinder immer wieder Dinge der Kobolde.

Die Auseinandersetzung mit einer Basisemotion dauert jeweils eine Woche. Für jeden Kobold – und die entsprechende Emotion – wird eine Pinnwand im Gruppenraum eingerichtet. Nach Durchführung aller vier Einheiten gibt es vier Bereiche, in denen die Kinder z.B. ihr Foto zu einem Kobold pinnen können und damit ihrem aktuellen Gefühl Ausdruck verleihen.

Nach der Einführungsphase wird in der Gruppe regelmäßig über Gefühle gesprochen. Die Kinder sollen herausfinden, wie sie sich fühlen. Wöchentliche Gespräche sollen dabei helfen, dass sie sich anhaltend mit Gefühlen auseinandersetzen und ihr Emotionsvokabular sowie ihre Möglichkeiten der Emotionsregulation erweitern. Erwünscht ist, dass sie sich im Lauf der Zeit selbstständig, ohne Aufforderung, authentisch dem Gefühl zuordnen, das sie aktuell empfinden. Lieder unterstützen die inhaltliche Arbeit.

Theoretischer Hintergrund zu "Paula und die Kistenkobolde"

Die Maßnahme wurde vor dem Hintergrund aktueller theoretischer und empirischer Ergebnisse der Entwicklungspsychologie, Entwicklungswissenschaft und entwicklungsorientierten Prävention entwickelt.

Sozial kompetentes Verhalten resultiert aus dem Zusammenspiel von kognitiven Fähigkeiten und sozialen Fertigkeiten. Kognitive Fähigkeiten (z.B. differenzierte Wahrnehmung, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel) bilden die Voraussetzung für sozial kompetentes Verhalten.

Mehr zur sozial-emotionalen Kompetenz

"Paula und die Kistenkobolde" fördert diese kognitiven und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten und trägt somit zur sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder bei. Kinder mit frühen Verhaltensproblemen weisen vermehrt Defizite in der sozial-emotionalen Entwicklung auf. Umgekehrt sind Kinder mit hohen sozial-emotionalen Fertigkeiten besser in die Gleichaltrigengruppe integriert, können sich besser an neue Anforderungen anpassen (z.B. die Schule), fallen seltener durch Verhaltensprobleme auf, zeigen eine bessere Emotionsregulation und mehr prosoziales Verhalten, z.B. Empathie und Hilfeverhalten. Eine geringe sozial-emotionale Kompetenz stellt daher einen bedeutsamen Risikofaktor für vielfältige Probleme dar.

Programme zur Förderung emotionaler Kompetenz sollten, abgeleitet aus den Ergebnissen mehrerer Studien, folgende Ziele anstreben:

  • offener Umgang mit Emotionen,
  • differenzierte Wahrnehmung eigener Gefühle und der Gefühle anderer,
  • Verbesserung des sprachlichen Ausdrucks von Emotionen und des Emotionsvokabulars,
  • verbessertes Emotionsverständnis und -wissen,
  • eigenständige Emotionsregulation,
  • Förderung der Empathieentwicklung.

Die Maßnahme "Paula und die Kistenkobolde" greift jedes dieser Ziele auf und setzt diese über Methoden um, die dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst sind. Damit wird die hohe Bedeutung der emotionalen Kompetenz für eine gesunde sozial-emotionale Entwicklung der Kinder entsprechend berücksichtigt. Es kann erwartet werden, dass die Maßnahme "Paula und die Kistenkobolde" Kinder in ihrer emotionalen, sozialen und schulischen Entwicklung positiv unterstützt und fördert.

"Paula und die Kistenkobolde" für Zuhause

"Paula und die Kistenkobolde" gibt es auch als DVD und zum Vorlesen als Bilderbuch, inklusive Elternerläuterungen und Hörspiel-CD.

Mehr zur DVD Paula und die Kistenkobolde
Mehr zum Bilderbuch Paula und die Kistenkobolde

Augsburger Puppenkiste

Die Geschichte um Paula und die Kistenkobolde entstand zusammen mit Künstlern der Augsburger Puppenkiste und wurde von Deutschlands bekanntestem Marionettentheater auch als Bühnenstück inszeniert. Das Stück geht mit auf die Aufklärungskampagne und wurde bereits vor vielen Tausend Kindern aufgeführt.

Mehr zur Aufklärungskampagne

Praktische Hinweise zur Umsetzung finden Papilio-AnwenderInnen

im Newsletter Nr. 1 auf Seite 3.
im Newsletter Nr. 17 auf den Seiten 3 und 4.
im Newsletter Nr. 27 auf den Seiten 2 - 6.
im Newsletter Nr. 31 auf den Seiten 7 und 8.

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