Paula und die Kistenkobolde
Paula und die Kistenkobolde ist die bekannteste Maßnahme des Programms Papilio. Grundlage ist die faszinierende Geschichte um die vier Kobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold, die nicht so recht wissen, was mit ihnen los ist.
Mit Hilfe von Paula lernen Kinder ihre Gefühle* kennen - und genau das ist auch das Ziel der Maßnahme im Kindergarten. Mit den Kistenkobolden erwerben die Kinder emotionale Kompetenzen: Sie lernen den Umgang mit den eigenen Gefühlen* und den Gefühlen* anderer.
Augsburger Puppenkiste
Die Geschichte um Paula und die Kistenkobolde entstand zusammen mit Künstlern der Augsburger Puppenkiste und wurde von Deutschlands bekanntestem Marionettentheater auch als Bühnenstück inszeniert. Das Stück geht mit auf die Papilio-Tournee und wurde bereits vor vielen Tausend Kindern aufgeführt.
Paula und die Kistenkobolde für Zuhause
Paula und die Kistenkobolde gibt es auch als DVD und zum Vorlesen als Bilderbuch, inklusive Elternerläuterungen und Hörspiel-CD.
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Beitrag im ZDF
ZDF-Bericht über Papilio in der Sendung "Volle Kanne" am 24. August 2011, "Paula und die Kistenkobolde" als Maßnahme im Kindergarten wird gleich zu Beginn des Beitrags beschrieben:
ZDF-Bericht abspielen
Zur redaktionellen Infoseite über Papilio: ZDF-Infoseite
Vorstellung der Kobolde
Rechts sehen Sie von oben nach unten die Kistenkobolde - in der Reihenfolge, in der sie auch in der Geschichte aus ihrer Kiste auftauchen. Sie stehen für die vier Basisgefühle, die Kinder als erstes lernen:
- Heulibold
steht für Traurigkeit und ihm ist immer zum Heulen zumute: Weil ihn sowieso keiner mag. - Zornibold
steht für Ärger/Wut und könnte wegen jeder Kleinigkeit gleich platzen. - Bibberbold
steht für Angst und traut sich überhaupt nichts. Es könnte ja gleich was passieren. - Freudibold
steht für Freude. Ihm geht es immer gut und er kann gar nicht verstehen, dass es jedem auch mal anders gehen kann.
Mit Hilfe dieser Kobolde lernen Kinder, die eigenen Gefühle* zu erkennen, zu benennen und an anderen wahrzunehmen - eine der wichtigsten Aufgaben in der Persönlichkeitsentwicklung.
Die wichtigsten Ziele von Paula und die Kistenkobolde
Das Kind verhält sich sozial-emotional kompetent. Es kann
- eigene Gefühle* wahrnehmen, ausdrücken und angemessen regulieren und
- die Gefühle* anderer erkennen, benennen und angemessen damit umgehen.
- Es hat Verständnis für Gefühle*, zeigt Anteilnahme und prosoziales Verhalten.
Theoretischer Hintergrund zu Paula und die Kistenkobolde
*Unterscheidung Gefühle/Emotionen
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort "Gefühle" verwendet, "Emotionen" wird als Fremdwort weniger genutzt. In der fachlichen Auseinandersetzung zum Thema müssen die beiden Begriffe aber abgegrenzt werden.
Eine Emotion beschreibt einen komplexen Prozess, der auf verschiedenen psychischen Funktionsebenen abläuft, z.B. ausgelöst durch die Bewertung einer Situation. Damit einher gehen körperliche, psychophysiologische Prozesse, Kognitionen und Bewertungsmuster, das Gefühlserleben und eine daraus resultierende Verhaltensbereitschaft.
Davon zu unterscheiden ist der Begriff Gefühl, der nur das subjektive Erleben der Emotion bezeichnet, z.B. Freude, Traurigkeit, Ärger. Gefühle werden gewöhnlich als verschieden von Wahrnehmungen, Empfindungen und Denken, aber auch vom Wollen, angesehen, können sich jedoch mit allen anderen Erfahrungsweisen verbinden.
Auch wenn man fachlich zwischen Gefühlen und Emotionen unterscheiden muss, wird zur Vereinfachung den Kindern gegenübern von "Gefühlen" gesprochen, auch in Fällen, in denen eigentlich die Emotion gemeint ist.
Einführung der Maßnahme im Kindergarten
Die Maßnahme "Paula und die Kistenkobolde" wird im Kindergarten anhand der gleichnamigen Geschichte mit fünf Einheiten eingeführt. Nach einer einführenden Einheit mit der Rahmengeschichte und Paula widmet sich je eine Einheit Bibberbold (Angst), Zornibold (Ärger), Heulibold (Traurigkeit) und Freudibold (Freude). Für Kindergärten steht attraktives Bild- und Tonmaterial (Bilder der Koboldgesichter, Aufnahmen der Koboldstimmen, Lieder wie "Mir geht’s heut’ so …" oder "Mutmachlied") zur Verfügung.
Die Kinder lernen,
- um welche Emotion es sich handelt und wie sie diese bei sich selbst wahrnehmen können.
- anhand welcher Merkmale (Mimik, Gestik usw.) sie diese Emotionen auch bei anderen erkennen können.
- Möglichkeiten, wie sie mit diesen Emotionen umgehen können.
Wichtig ist, dass alle Basisemotionen zunächst wertfrei betrachtet werden und den Kindern deutlich wird, dass Gefühle "gleichberechtigt" sind, das es also Gründe gibt, z.B. traurig zu sein. Dass man aber wissen muss, was man tun kann, um nicht länger traurig zu sein, als einem lieb ist.
Durch alle vier pädagogischen Einheiten führt das Kindergartenkind Paula. Paula erleichtert den Kindern die Identifikation mit der Geschichte. Die Kinder basteln zudem einen Gruppenkobold, der jede Einheit von Paula und die Kistenkobolde mit einem Ruheritual beginnt. Der Gruppenkobold kann auch andere Elemente im Kindergartenalltag begleiten.
Weiteres wichtiges Element, um die Geschichte in der Realität der Kinder zu verankern, ist eine Kiste, in der die Kobolde leben. Paula und die Kinder lernen die Kobolde durch diese Kiste kennen. Die Kiste weckt als spannendes Element die Neugier und das Interesse der Kinder, da sie Realität und Phantasie verbindet. In der Kiste finden
die Kinder immer wieder Dinge der Kobolde.
Die Auseinandersetzung mit einer Basisemotion dauert jeweils eine Woche. Für jeden Kobold – und die entsprechende Emotion – wird eine Pinnwand im Gruppenraum eingerichtet. Nach Durchführung aller vier Einheiten gibt es vier Bereiche, in denen die Kinder z.B. ihr Foto zu einem Kobold pinnen können und damit ihrem aktuellen Gefühl Ausdruck verleihen.
Nach der Einführungsphase wird in der Gruppe regelmäßig über Gefühle gesprochen. Die Kinder sollen überlegen, wie sie sich fühlen. Wöchentliche Gespräche sollen dabei helfen, dass sie sich anhaltend mit Gefühlen auseinandersetzen und ihr Emotionsvokabular sowie ihre Möglichkeiten der Emotionsregulation erweitern. Erwünscht ist, dass sie sich im Lauf der Zeit selbstständig, ohne Aufforderung, authentisch dem Gefühl zuordnen, das sie aktuell empfinden. Lieder unterstützen die inhaltliche Arbeit.
Theoretischer Hintergrund zu Paula und die Kistenkobolde
Die Maßnahme wurde vor dem Hintergrund aktueller theoretischer und empirischer Ergebnisse der Entwicklungspsychologie, Entwicklungswissenschaft und entwicklungsorientierten Prävention entwickelt.
Sozial kompetentes Verhalten resultiert aus dem Zusammenspiel von kognitiven Fähigkeiten und sozialen Fertigkeiten. Kognitive Fähigkeiten (z.B. differenzierte Wahrnehmung, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel) bilden die Voraussetzung für sozial kompetentes Verhalten.
Mehr zur sozial-emotionalen Kompetenz
Paula und die Kistenkobolde fördert diese kognitiven und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten und trägt somit zur sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder bei. Kinder mit frühen Verhaltensproblemen weisen vermehrt Defizite in der sozial-emotionalen Entwicklung auf. Umgekehrt sind Kinder mit hohen sozial-emotionalen Fertigkeiten besser in die Gleichaltrigengruppe integriert, können sich besser an neue Anforderungen anpassen (z.B. die Schule), fallen seltener durch Verhaltensprobleme auf, zeigen eine bessere Emotionsregulation und mehr prosoziales Verhalten, z.B. Empathie und Hilfeverhalten. Eine geringe sozial-emotionale Kompetenz stellt daher einen bedeutsamen Risikofaktor für vielfältige Probleme dar.
Programme zur Förderung emotionaler Kompetenz sollten, abgeleitet aus den Ergebnissen mehrerer Studien, folgende Ziele anstreben:
- offener Umgang mit Emotionen,
- differenzierte Wahrnehmung eigener Gefühle und der Gefühle anderer,
- Verbesserung des sprachlichen Ausdrucks von Emotionen und des Emotionsvokabulars,
- verbessertes Emotionsverständnis und Emotionswissen,
- eigenständige Emotionsregulation,
- Förderung der Empathieentwicklung.
Die Maßnahme "Paula und die Kistenkobolde" greift jedes dieser Ziele auf und setzt diese über Methoden um, die dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst sind. Damit wird die hohe Bedeutung der emotionalen Kompetenz für eine gesunde sozial-emotionale Entwicklung der Kinder entsprechend berücksichtigt. Es kann erwartet werden, dass die Maßnahme "Paula und die Kistenkobolde" Kinder in ihrer emotionalen, sozialen und schulischen Entwicklung positiv unterstützt und fördert.
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