Spielzeug-macht-Ferien-Tag

Am Spielzeug-macht-Ferien-Tag spielen die Kinder ohne herkömmliches Spielzeug. Anhand einer Geschichte wird ihnen erklärt, warum auch das Spielzeug mal Ferien braucht, und fortan gibt es in der Papilio-Kita immer einen Tag in der Woche, an dem das Spielzeug in den Schränken bleibt.

Der Spielzeug-macht-Ferien-Tag zielt besonders auf

  • das gemeinsame Spiel von Kindern,
  • die Integration von Kindern in die Gruppe und
  • die Förderung von Gleichaltrigen-Kontakten.

Die wichtigsten Ziele des Spielzeug-macht-Ferien-Tags

Das Kind ist in die Gleichaltrigengruppe eingebunden. Es kann:

  • eigene Bedürfnisse mit denen anderer Kinder abstimmen,
  • Beziehungen und Interaktionen mit anderen Kindern einleiten und aufrecht erhalten und
  • kreative Ideen entwickeln und in der Gruppe umsetzen.
Ein kleiner Junge streckt ein Stück Pappkarton seitlich von sich in die Höhe.
Beschreibung

Das interaktive Spielen der Kinder miteinander wird unterstützt, indem am Spielzeug-macht-Ferien-Tag auf herkömmliches Spielzeug wie Brettspiele, Puppen oder Konstruktionsspielzeug verzichtet wird. Die Kinder können sich nicht mehr hinter dem Spielzeug "verstecken".

Vielmehr werden sie angeregt, sich mit anderen Kindern über mögliche Spiele auszutauschen und sich darauf zu einigen, was sie spielen möchten, z.B. Rollenspiele. Sie wenden soziale und emotionale Fertigkeiten im direkten Kontakt mit anderen Kindern an. Damit üben und vertiefen sie Fähigkeiten und Fertigkeiten im spielerischen Alltag, die sie mit Hilfe der Papilio-3bis6-Maßnahmen "Meins-deinsdeins-unser-Spiel" und "Paula und die Kistenkobolde" erworben haben.

Der Spielzeug-macht-Ferien-Tag trägt auch dazu bei, dass sich Kinder im Spiel begegnen, die sonst nicht viel miteinander zu tun haben. Somit ergeben sich mehr soziale Austauschmöglichkeiten, was besondere für schüchterne, zurückgezogene Kinder wichtig ist. Das Knüpfen von Freundschaften wird gefördert.

Durchführung: aktive Rolle der ErzieherInnen

Der Spielzeug-macht-Ferien-Tag wird jede Woche an einem Tag durchgeführt. Die Regelmäßigkeit hilft den Kindern, sich mit dem Tag vertraut zu machen. Das "einen ganzen Tag lang miteinander spielen" wird zu einem festen Ritual in der Kita. Das Spielmaterial bleibt an diesem Tag aufgeräumt, ausgenommen davon sind Werkzeuge und Bastelmaterial. Sie werden den Kindern jedoch erst auf Anfrage zur Verfügung gestellt.

Die ErzieherInnen haben beim Spielzeug-macht-Ferien-Tag eine aktive Rolle. Der Tag ist ausdrücklich keine Maßnahme nach dem Laissez-faire-Stil, an dem alle machen können, was sie wollen. Er erfordert von den ErzieherInnen hohe Aufmerksamkeit, empathisches Verhalten, ständiges Bewusstmachen ihrer Vorbildfunktion und Sensibilität im Umgang mit den Bedürfnissen einzelner Kinder und der Gruppe.

Der Spielzeug-macht-Ferien-Tag sollte über einen möglichst langen Zeitraum in der Kita durchgeführt werden, damit die Kinder nicht nur über eine gewisse Zeit ohne Spielmaterial in Kontakt treten, sondern sich die direkte Interaktion im sonstigen Alltag etabliert. Als festen Bestandteil des Kita-Alltags – durch ein wöchentliches Ritual – können die Kinder dieses gemeinsame Spielen über die gesamte Kitazeit erfahren.

Dokumentation

Für die ErzieherInnen bietet der Tag die Gelegenheit, die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten sowie die Fantasie der Kinder intensiv zu beobachten. Die Erfahrungen in der Umsetzung des Spielzeug-macht-Ferien-Tags werden von den ErzieherInnen systematisch festgehalten. Durch die Dokumentation kann gut verfolgt werden, welche Kinder sich gut einbringen können und welche noch Schwierigkeiten haben und eventuell Unterstützung benötigen.

Theoretischer Hintergrund: Interaktion mit anderen Kindern

Der Spielzeug-macht-Ferien-Tag zielt darauf, die Kinder einen ganzen Tag lang zum gemeinsamen Spielen zu animieren, indem die Kinder sozusagen keine andere Möglichkeit haben, als miteinander zu spielen und in Interaktion miteinander zu treten. Es soll sichergestellt werden, dass Kinder keine Möglichkeit haben, nicht an gemeinsamen Spielen teilzunehmen, wie dies häufig bei sozial zurückgezogenen Kindern beobachtet werden kann. Der Spielzeug-macht-Ferien-Tag bietet auch die Gelegenheit, Kinder, die infolge erster Verhaltensprobleme von anderen Kindern abgelehnt werden, in das Gruppengeschehen zu integrieren.

Einüben kommunikativer und sozialer Kompetenzen

Im gemeinsamen Spiel üben Kinder kommunikative und soziale Kompetenzen, z.B. Initiieren von Interaktionen, gewaltlose Konfliktlösung, Entwicklung von Empathie und Perspektivenübernahme. Interaktion mit anderen Kindern ist ein wesentlicher Faktor innerhalb der kindlichen sozialen Welt. Ab dem dritten Lebensjahr verbringen Kinder zunehmend Zeit mit Gleichaltrigen (z.B. in der Kita), wobei sie sich vorwiegend gleichgeschlechtlichen Gleichaltrigen zuwenden. Über die Kita-Zeit nehmen konflikthafte Interaktionen ab und prosoziales Verhalten nimmt zu.

Im Rahmen sozialer Interaktionen mit Gleichaltrigen lernen Kinder soziale Fertigkeiten, z.B. das Spielen aufeinander abzustimmen oder emotionale Bindungen zu knüpfen. Eine wichtige Komponente in der Entwicklung emotionaler Kompetenz ist die Fertigkeit, effektiv mit Gleichaltrigen zu interagieren. Zudem zeigen Kinder mit positiven Freundschaftsbeziehungen im Vorschulalter weniger aggressives und mehr prosoziales Verhalten. Hierfür ist ganz besonders das kindliche Spiel wichtig, vor allem interaktive Formen des Spiels.

Das kindliche Spiel hat insbesondere folgende Merkmale:

  • Es stellt eine Handlung "um der Handlung willen", zum Selbstzweck, dar, und die Kinder gehen in dieser Tätigkeit auf.
  • Im Spiel wechselt der Realitätsbezug, d.h. die Handlungen im Rahmen des Spiels lassen Raum zum Ausprobieren außerhalb dessen, was Realität ist, z.B. können Wünsche im Spiel illusionär verwirklicht werden.
  • Das Spiel lässt einen intensiven Austausch mit der Umwelt und eine Auseinandersetzung und Bewältigung spezifischer Probleme zu.
  • Wiederholungen und Rituale sind kennzeichnend.
  • Das kindliche Spiel hat einen tieferen Sinn: Es hilft bei der Lebensbewältigung.
  • Spielen entwickelt sich kulturübergreifend nach einem bestimmten Schema:
    • Auf das sensumotorische Spiel (bezogen auf Körperbewegungen und -teile, zunehmend auf Objekte) folgt
    • das Explorationsverhalten (Gegenstände genauer erkunden und zu begreifen versuchen), dann
    • das Konstruktionsspiel (Objekte verwenden, um Zielgegenstände herzustellen) und schließlich
    • (ca. ab 12. Monat) das Symbolspiel (Gegenstände werden im Spiel umgedeutet und frei verwendet).
    • Ca. ab dem 3. Lebensjahr erwachsen daraus Rollenspiele und
    • ab Ende des Vorschulalters Regelspiele, die sehr oft auch Wettkampfspiele darstellen.
  • Jeder dieser Spiel-Entwicklungsschritte erfordert höhere soziale, emotionale und kognitive Kompetenzen, insbesondere beim Eintritt in die Phase des Rollen- und des Sozialspiels. Zusammen Spielen setzt voraus, dass Kinder fähig sind, sich auf einen gemeinsamen Spielgegenstand zu beziehen und sich zu vereinbaren, was und wie zu spielen ist. Vor den komplexen Formen des Sozialspiels zeigen Kinder ein Parallelspiel: Sie spielen zwar für sich, beobachten sich dabei aber häufig gegenseitig. Aus dem Parallelspiel mit Blickkontakt entwickelt sich ein zunächst einfaches und dann immer komplexeres (reziprokes) Sozialspiel, bis hin zu komplexem sozialen Symbolspiel.

Weiterführende Links
Praktische Hinweise zur Umsetzung finden Papilio-AnwenderInnen
im Newsletter Nr. 31 auf den Seiten 5-7.
im Newsletter Nr. 3 auf Seite 2.
Theoretischer Hintergrund zur sozial-emotionalen Kompetenz
Mehr zum Programm Papilio-3bis6